Rezension: Djihad, mon ami I Dounia Bouzar

by Sebastian

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Camille und Sarah sind seit Jahren unzertrennliche Freundinnen – bis Islamisten über das Internet Kontakt zu Camille aufnehmen. Was mit Youtube-Videos und Chats beginnt, dominiert sie bald komplett, und entfremdet sie ihrer Familie und ihrem Umfeld. Selbst Sarah dringt nicht mehr zu ihr durch. Schließlich plant Camille sogar, sich in Syrien dem IS anzuschließen. Doch der Anschlag auf die Diskothek Bataclan vereitelt ihre Pläne, und eine schmerzhafte Annäherung der beiden Freundinnen beginnt. Ein sensibler und hochaktueller Roman, der aus der Sicht zweier Freundinnen die Mechanismen der Radikalisierung beschreibt. [Cover + Klappentext: © Knesebeck Verlag]

Dounia Bouzar ist Vorsitzende des CPDSI, dem Zentrum für Prävention, Deradikalisierung und individuelle Betreuung. Um dieses Buch schreiben zu können, hat sich die Autorin mit hunderten von Mädchen getroffen, deren Geschichte so oder so ähnlich verlief, wie die von Camille.

Camille und Sarah leben beide in Paris, sind seit Jahren beste Freundinnen und stehen kurz vor dem Schulabschluss. Für ein gemeinsames Schulprojekt über ungesunde Nahrungsmittel recherchieren die Beiden im Internet – und damit beginnt Camilles Geschichte.

Denn während Sarah weiterhin auf das Thema des Projekts fokussiert ist, ist die eh schon immer leicht verunsicherte Camille entsetzt, welche Lügen und Unwahrheiten die Industrie verbreitet, klickt sich durch unsägliche Links, gelangt von einem Thema zum anderen und beginnt ihre bisherige Lebensweise und die damit verbundenen Werte in Frage zu stellen. Im Internet findet sie auch einen Chatfreund, mit dem sie sich austauschen kann, der sie immer mehr an sich und seine Ansichten und Gedanken bindet und ihr allmählich die einzige wahre Wahrheit aufzeigt – den radikalen Islam. Als Camille durch ihren Chatpartner dann auch noch in virtuellen Kontakt zu weiteren Gleichgesinnten kommt, beginnt ihre endgültige Anwerbung für den Dschihad.

Sarah und Camilles Eltern merken zwar, wie sich Camille immer mehr abschottet, sich von Ihnen abwendet, kein Interesse mehr für ihre bisherigen Hobbies und Gewohnheiten zeigt, können jedoch nicht zu ihr durchdringen.

Und dann geschehen die Attentate von November 2015, die Sarah als Besucherin des Bataclan miterlebt, und in deren Konsequenzen Camille bei einer Terrorrazzia auffliegt und verhaftet wird. Denn unbemerkt von ihrem Umfeld wollte Camille nach Syrien ausreisen, um sich dort dem Islamischen Staat anzuschließen.

Ein gut geschriebenes und temporeiches Buch, das ein wichtiges Thema aufgreift: Die Anwerbung und Radikalisierung Jugendlicher durch den Islamischen Staat.

Interessant fand ich dabei, dass es aus der Sichtweise von Mädchen geschrieben ist, da ähnliche Titel ja meist von der Anwerbung von Jungen erzählen (z.B. „Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten“). Besonders gut gefallen haben mir auch die Fußnoten, in denen die islamischen Begriffe erläutert werden.

 

Persönliches Fazit

Egal, ob Jugendliche oder Erwachsene, wer sich für diese Thematik interessiert und einen ersten Einblick in die Vorgehensweise der Anwerber und das Einlullen unsicherer Jugendliche bekommen möchte, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Es ist quasi ein kompakter Crashkurs und eignet sich bestens für den Einstieg in dieses schwierige Thema.

© Rezension, Sebastian Herz

 

Djihad, mon ami
Dounia Bouzar (Übersetzt von Sarah Pasquay)
Jugendbuch, ab 14 Jahren
Knesebeck Verlag - ISBN: 9783957280411
gebunden, 160 Seiten
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