Bücher gegen das Vergessen: auf Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte

by Jürgen Fottner
...

Vasco Kintzel | Mit der Gestapo am Kaffeetisch.

Nazis als Erbe: Spurensuche eines Kriegsenkels zwischen Verdrängung und Wahrheit

»Diese Schweine sind in unserem Haus ein- und ausgegangen.« Was mit einem harmlosen Satz bei einem Besuch beginnt, wird während seiner sechzehn Jahre andauernden Recherche zur schonungslosen Konfrontation mit Verdrängung, Schuld und Selbsttäuschung.  Text und Cover © Umland Verlag

Ein Buch gegen das Vergessen

Und auch die Kinder der Kriegskindergeneration vergessen und verdrängen lieber, als sich mit den Taten ihrer Vorfahren auseinanderzusetzen. Das Thema Holocaust wird so zu einem abstrakten Begriff, der zwar mit Deutschland zu tun hat, nicht jedoch mit der persönlichen Vergangenheit.

Dieser Satz aus Mit der Gestapo am Kaffeetisch bringt es auf den Punkt – wir sind immer noch sehr weit weg von einer echten, ehrlichen Auseinandersetzung. Und da sind die nun frei zugänglichen Personalakten von SA und SS und die Mitgliederkartei der NSDAP nur bedingt hilfreich. Wenn Der Spiegel zu seiner Recherchedatenbank schreibt: „Was haben Ihre Großeltern in der Nazizeit gemacht?“ ist das irreführend, denn man findet nur unkommentierte, für uns kaum einordenbare Dokumente. Zu einer echten Aufarbeitung braucht es deutlich mehr und Vasco Kintzel zeigt beispielhaft, wie so etwas aussehen kann.

Dabei lassen sich drei Ebenen ausmachen, die viele vergleichbare Bücher aufweisen:
Zum ersten sind das Lebensdarstellungen der Vorfahren, hier der Großeltern und deren Geschwister.  Zum zweiten erfahren wir eben sehr viel über die eigentliche Recherchearbeit. Wo und von wem bekommt man Informationen? Wie schwer ist es teilweise, diese zu erhalten und wo gibt es Überraschungen oder auch Enttäuschungen? Und dann geht es auch darum, was all dies mit einem selbst und der Familie macht und wie deren Reaktionen ausfallen.

Diese drei Ebenen gekonnt miteinander zu verbinden ist eine Herausforderung. Vasco Kinzel ist dies in seinem Buch aber besonders gut gelungen. Wir erleben, wie im Laufe der Recherchen langsam ein Bild der jeweiligen Person entsteht, wo Lücken bleiben und wie das auf die Beziehungen zur Familie zurückwirkt. Und es zeigt sich andererseits sehr eindrücklich, wie das Verhalten der Eltern die Recherche und vor allem die Motivation dazu beeinflusst.

Es ist immer wieder bedrückend zu lesen, wie extrem diese Vergangenheit über Generationen wirkt und belastet – aber wie wichtig gleichzeitig diese Auseinandersetzung ist.

Was bringt es denn überhaupt?

Im Rahmen meines  >> Instagram-Beitrags zu „Mit der Gestapo am Kaffeetisch“  wurden der Autor Vasco Kintzel und ich in einem Kommentar gefragt, was diese Beschäftigung und die daraus resultierenden Erkenntnisse denn einer „Aldi-Verkäuferin“ bringen soll. Der Autor lieferte eine hervorragende Antwort:

Das Wissen ändert ihr Narrativ. Sie kann ihren Kindern Fakten mit auf den Weg geben und keine geschönten Märchen von der Unschuld Opas im Baltikum. Genau das ändert das familiäre Erinnern – es wird auf einmal persönlich und die so abstrakte Schuld der Deutschen kommt auf einmal in der eigenen Familie an. Es waren eben nicht immer die anderen.

Und deshalb möchte ich als weiterführende bzw. ergänzende Lektüre einige Bücher empfehlen, die sich ebenfalls mit genau diesem Thema beschäftigen. Sie zeigen, wie Nachfahren von Täter*innen damit umgehen, wie sie recherchierten, was das mit den Familien machte  – und vor allem mit ihnen selbst.

Bücher gegen das Vergessen – Lektüretipps zur weiteren Beschäftigung

Bücher gegen das Vergessen - Buecherkaffee.de Buchcover: Jennifer Teege: Mein Großvater hätte mich erschossen; Matthias Kessler „Ich muss doch meinen Vater lieben

Jennifer Teege, Nikola Sellmair | Mein Großvater hätte mich erschossen

Die Enkeltochter von Amon Göth (die meisten kennen ihn aus Schindlers Liste) erfährt durch einen Zufall, wer ihr Großvater war und verarbeitet diese schockierende Erfahrung in diesem Buch.

Aus dem Klappentext: “Jennifer Teege ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Sie wurde bei Adoptiveltern groß und hat danach in Israel studiert. Jetzt ist sie mit einem Familiengeheimnis konfrontiert, das sie nicht mehr ruhen lässt. Wie kann sie ihren jüdischen Freunden noch unter die Augen treten? Und was soll sie ihren eigenen Kindern erzählen? Jennifer Teege beschäftigt sich intensiv mit der Vergangenheit. Sie trifft ihre Mutter wieder, die sie viele Jahre nicht gesehen hat.

Gemeinsam mit der Journalistin Nikola Sellmair recherchiert sie ihre Familiengeschichte, sucht die Orte der Vergangenheit noch einmal auf, reist nach Israel und nach Polen. Schritt für Schritt wird aus dem Schock über die Abgründe der eigenen Familie die Geschichte einer Befreiung.”  >> Buch: Rowohlt

Matthias Kessler | Ich muss doch meinen Vater lieben

„Ich muss doch meinen Vater lieben“ ist die Geschichte von Jennifer Teeges Mutter Monika, Tochter von Amon Göth. Allein der Titel dieses Berichts zeigt schon ihre Zerrissenheit.

Aus dem Klappentext: “Monika Göth wurde 1945 von der Geliebten Amon Göths, genannt Majola, zur Welt gebracht. Als Teenager beginnt sie Fragen zu stellen, aber erst Anfang der 80er Jahre, als ihre Mutter dem englischen Fernsehen ein Interview gibt, bestätigen sich Monikas Ahnungen. Die Mutter vergiftet sich mit Schlaftabletten.

In einem Interview-Experiment, das von Matthias Kessler für die Buchausgabe bearbeitet und mit bislang unveröffentlichtem Archivmaterial ergänzt wurde, stellt Monika Göth sich erstmals der Öffentlichkeit. Schonungslos sich selbst gegenüber erzählt sie ihre Geschichte.”  >> Buch: Bastei Lübbe

 

Bücher gegen das Vergessen - Buecherkaffee.de

Drei Beispiele der sogenannten »Väterliteratur«:
Sigfrid Gauchs Vater war ein Mitarbeiter Himmlers, Martin Pollacks Vater SS-Sturmbannführer und Mitglied der Gestapo. Und Niklas Frank, Sohn von Hans Frank, einem der größten NS-Verbrecher – er hat die wahrscheinlich schonungsloseste Abrechnung mit einem Täter-Vorfahren geschrieben. Sie sorgte aufgrund der drastischen Worte für viel Diskussion. 

Sigfrid Gauch | Vaterspuren

Aus dem Klappentext: “Der Tod des Vaters ist der Beginn einer Befreiung für den Sohn. Er versucht, dessen Leben zu ergründen und die Motive seines Werdegangs zu rekonstruieren: vom Medizinstudium über den Eintritt in die NSDAP 1922, die Beteiligung an Freikorpskämpfen der 20er Jahre bis hin zu seiner Tätigkeit als Reichsamtsleiter in der Reichsführung SS und kulturpolitischer Adjutant Himmlers in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße.

In dieser um mehr als zwei Drittel erweiterten und vollständig überarbeiteten Neuausgabe eines der Standardwerke der „Väterliteratur” finden sich erst jetzt aufgetauchte handschriftliche „ Erinnerungen” des Vaters ebenso wie neue Dokumente aus Archiven zu dessen NS- Vergangenheit. Weitere persönliche Texte ergänzen und differenzieren das Bild eines Mannes, der im Eichmann-Prozess als „Schreibtischmörder” bezeichnet wurde.”  >> Das Buch ist antiquarisch noch beziehbar: Booklooker

Martin Pollack | Der Tote im Bunker

Aus dem Klappentext: “Im April 1947 wird in einem Bunker an der österreichisch-italienischen Grenze ein Toter entdeckt. Die Leiche weist zwei Kopfschüsse und einen Schuß in die Brust auf. Der Ausweis, der bei dem Toten gefunden wird, stellt sich als gefälscht heraus. Nachforschungen aufgrund einer Tätowierung am linken Oberarm und Schmissen im Gesicht ergeben die wahre Identität des Toten: Es handelt sich um Dr. Gerhard Bast, geboren 1911, SS-Sturmbannführer, Mitglied der Gestapo, auf der Fahndungsliste für Kriegsverbrecher geführt.

Über ein halbes Jahrhundert später fährt Martin Pollack nach Südtirol, um die Umstände dieses Todes zu eruieren. Sein Bericht spürt mit ungeheurer Intensität einem Menschen, einem Leben nach, das von Gewalt bestimmt war und durch Gewalt endete. Martin Pollack hat diesen Menschen kaum gekannt, doch er stand ihm nahe wie sonst niemand – es war sein eigener Vater.”  >> Buch: dtv

Niklas Frank | Der Vater

Aus dem Klappentext: “Der Vater, Hans Frank, Rechtsanwalt von Beruf, begabt, aber bald verlottert, wird 1933 als »alter Kämpfer« ministrabel, erst Justizminister, 1939 dann Generalgouverneur Restpolens, wo er mit seiner ebenso raffgierigen Frau Polen und Juden ausplündert, während in den Vernichtungslagern um ihn herum systematisch die Endlösung praktiziert wird. 1945 setzt er sich mit seiner Beute nach Oberbayern ab, wird von den Amerikanern gefasst und im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zum Tode durch den Strang verurteilt.

Der Sohn, Niklas Frank, wurde von seiner Mutter in pietätvollem Gedanken an den feinsinnigen Vater erzogen. Erst allmählich erkennt er in vollem Umfang, dass Hans Frank einer der schlimmsten NS-Verbrecher gewesen ist. Sein Buch ist eine ebenso wüst-erbitterte wie schmerzende Abrechnung mit dem Vater, die Katharsis eines Unschuldigen, der sich dennoch beschuldigt fühlt.”  >> Buch: niklasfrank.de

 

Bücher gegen das Vergessen - Buecherkaffee.de

Sacha Batthyany | Und was hat das mit mir zu tun

Die Großtante von Sacha Batthyany war in das Verbrechen von Rechnitz verwickelt, zu dem es auch ein Theaterstück von Elfriede Jelink gibt (Rechnitz – Der Würgeengel). Eine spannende Auseinandersetzung mit der Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte.

Aus dem Klappentext: “Welchen Einfluss haben Ereignisse auf uns, die vor siebzig Jahren stattgefunden haben? Sacha Batthyanys Großtante war in eines der schrecklichsten Nazi-Verbrechen am Ende des Zweiten Weltkriegs verwickelt. Als er ihre Geschichte aufschreibt, stößt er auf ein altes Familiengeheimnis. Sacha Batthyany beginnt, nach Antworten zu suchen.

Seine Reise führt ihn ins alte Ungarn, ins Österreich der Nachkriegszeit, in die Schweiz der Gegenwart, in die Lager des Gulag nach Sibirien, auf die Couch eines Pfeife rauchenden Psychoanalytikers und bis ins Wohnzimmer einer Auschwitz-Überlebenden in Buenos Aires. Dabei entdeckt er ein Geheimnis, das seinen Blick auf seine Familie und sich selbst verändert.”  >> Buch: Kiepenheuer & Witsch

Robert und Stephan Lebert | Denn Du trägst meinen Namen

Im Abstand von vierzig Jahren interviewen Vater und Sohn Lebert Kinder von Heß, Bormann, Göring, Himmler, Frank und von Schirach. Ein Standardwerk!

Aus dem Klappentext: “Auch lange nach dem Dritten Reich sind ihre Lebensläufe mit dem Nationalsozialismus verbunden: die Kinder prominenter Nazis. Einzigartig die Konstruktion des Buches: 1959 besuchte Norbert Lebert die jungen Erwachsenen Edda Göring, Gudrun Himmler, Martin Bormann und andere. 40 Jahre später setzt sein Sohn Stephan die Arbeit fort: Ein sehr persönlicher Augenzeugenbericht und Momentaufnahmen von seltener Eindringlichkeit.”  >> Das Buch ist antiquarisch noch beziehbar: Booklooker

 

Bücher gegen das Vergessen - Buecherkaffee.de

Lorenz Hemicker |  Mein Großvater, der Täter

Ernst Hemicker war als Mitglied der SS an einem der größten Massaker an jüdischen Menschen beteiligt. Im Wald von Rumbula wurden dabei mehr als 27.000 Menschen erschossen. Jahrelang recherchierte sein Enkel zu diesem Mann. Dabei geht es in seinem Buch auch darum, wie dieses Wissen die Familie und insbesondere die Beziehung zum Vater prägte.

Aus dem Klappentext: “Lorenz Hemicker wächst Jahrzehnte später mit einer vagen Ahnung auf, welches Verbrechens sich sein Großvater schuldig gemacht hat. Er kennt nur ein paar Sätze, die sein Vater bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Freundes- und Bekanntenkreis wiederholt. Als beide nach Lettland reisen wollen, um mehr über die Taten von Ernst Hemicker zu erfahren, stirbt der Vater unerwartet.

Für Lorenz Hemicker wird diese Zäsur der Beginn einer jahrelangen Suche nach den Spuren seines Großvaters. Sie führt ihn an den Ort des Massakers, zu Überlebenden des Holocaust in Riga und in die Tiefen deutscher Weltkriegsarchive. Dabei entsteht das Bild eines Mannes, der – wie viele andere mit ihm – vom Jedermann zum Täter wird und dessen Taten seinen Sohn und seinen Enkel noch lange über seinen Tod hinaus wie ein Schatten begleiten.”  >> Buch: Rowohlt

Axel Spilcker | Hitlers Gefolgsmann

Auch bei Axel Spilcker geht es um den Großvater – hier um einen der wichtigsten Täter der NS-Riege, Robert Ley. Der Enkel kann dabei auf bisher nicht veröffentlichte Dokumente zurückgreifen.

Aus dem Klappentext: “Robert Ley war Reichorganisationsleiter der NSDAP und baute die Deutsche Arbeitsfront zum größten NS-Verband auf. Nach dem Krieg war er im Nürnberger Prozess einer der 24 Hauptangeklagten. Einem Urteil in den Kriegsverbrecherprozessen entzieht sich Robert Ley 1945 durch Selbstmord. Achtzig Jahre später, in einer Zeit, in der die Demokratie wieder unter Druck steht, macht sich sein Enkel auf Spurensuche.

Axel Spilcker erzählt vom Aufstieg des Robert Ley in den innersten Kreis um Hitler, von Intrigen, Korruption und fanatischem Antisemitismus. Von der ersten Frau und der zweiten, der von Hitler gefeierten Sopranistin Inga Ley, die in Morphiumsucht und Depressionen versank und sich 1942 das Leben nahm. Von seinem Vater, der mit dem Erbe nicht umgehen konnte und die Familie verließ. Von seiner Tante, einer anerkannten Professorin und Feministin, die den Vater bis zu ihrem Tod verehrte. Von einer Familie, die ihren Namen änderte, von Gier, Hass, Flucht und Versuchen der Befreiung.”  >> Buch: Kiepenheuer & Witsch

Uwe Timm | Am Beispiel meines Bruders

Ein Text, der nicht über Vorfahren spricht, sondern über den Bruder, Mitglied in der SS. Der Autor hat zwar kaum Erinnerungen an ihn, aber in den Erzählungen der Familie lebt er fort.

Aus dem Klappentext: »Abwesend und doch anwesend hat er mich durch meine Kindheit begleitet, in der Trauer der Mutter, den Zweifeln des Vaters, den Andeutungen zwischen den Eltern. Von ihm wurde erzählt, das waren kleine, immer ähnliche Situationen, die ihn als mutig und anständig auswiesen. Auch wenn nicht von ihm die Rede war, war er doch gegenwärtig, gegenwärtiger als andere Tote, durch Erzählungen, Fotos und in den Vergleichen des Vaters, die mich, den Nachkömmling, einbezogen.«

Wer war dieser Karl-Heinz Timm, geboren 1924 in Hamburg, gestorben 1943 in einem Lazarett in der Ukraine? Warum hat er sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet? Wie ging er mit der Verpflichtung zum Töten um? Welche Optionen hatte er, welche Möglichkeiten blieben ihm verschlossen? Wo ist der Ort der Schuld, wo der des Gewissens bei den Eltern, die ihn überlebt haben?  >> Buch: dtv

 

Bücher gegen das Vergessen - Buecherkaffee.de

Karin Himmler | Die Brüder Himmler

Eines der wahrscheinlich wichtigsten Bücher zu diesem Thema stammt von Katrin Himmler, Enkelin eines der Brüder von Heinrich Himmler. Dabei richtet sie den Blick nicht nur auf die Verstrickungen der gesamten Familie, sondern auch auf deren spätere Verklärungen.

Aus dem Klappentext: “In der Familie Katrin Himmlers wurde über die Verbrechen Heinrich Himmlers offen gesprochen. Den Erzählungen nach galt ihr Großonkel als der »ungeratene« Außenseiter eines humanistisch gebildeten Elternhauses, seine Brüder Gebhard und Ernst hingegen hätten mit der Politik des NS-Regimes nicht viel zu tun gehabt. Als sie den Spuren ihres seit 1945 vermissten Großvaters Ernst nachgeht, stößt Katrin Himmler auf eine viel tiefere Verstrickung von Heinrichs Brüdern. Als frühe Anhänger der Partei profitierten die beiden nicht nur von den neuen Verhältnissen nach 1933, sondern unterstützen mit ihrer Tätigkeit im Reichserziehungsministerium und im Reichsrundfunk engagiert das NS-Regime.

Katrin Himmler erzählt die Geschichte einer Familie, in der es kein Mitleid mit den Verfolgten, sondern Einverständnis mit den politischen Verhältnissen gab – bei den Ehefrauen, den Freunden, dem Schwager und bei Heinrichs Geliebter Hedwig Potthast.
>In ihrer ungewöhnlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit kann die Autorein auf zahlreiche unveröffentlichte Briefe und persönliche Dokumente aus den Familiennachlässen zurückgreifen und schließt damit auch Lücken in der bisherigen historischen Forschung.”  >> Buch: S. Fischer 

Bettina Göring | Der gute Onkel

Bettina Göring, Großnichte von Herrmann Göring, zeigt sehr eindrücklich, was es mit einer Familie und zugleich einem selbst macht, mit diesem Mann verwandt zu sein. Ebenso, wie man mit geliebten Verwandten umgeht, die gleichzeitig Nutznießer und Mitläufer des Systems waren.

Aus dem Klappentext: “Bettina Görings Name ist ihr Schicksal. Als Großnichte von Reichsmarschall Hermann Göring wächst sie im Schatten seiner Verbrechen auf, der in der Zeit des Nationalsozialismus für tausendfachen Mord verantwortlich war.

Früh rebelliert sie und entflieht Ende der 60er Jahre der bedrückenden Verbindung in die Welt der Hippies und Freigeister. Doch weder in der linken Kommune noch im Aschram in Poona kann sie ihrer Vergangenheit entkommen. Sie erkennt, dass auch sie falschen Führern hinterhergelaufen ist und dass allein die Auseinandersetzung mit der dunklen Seite ihrer Familie sie befreien kann.

Bettina Göring gewährt einen sehr persönlichen Einblick in die Geschichte ihrer Familie und ins Nachkriegsdeutschland. Sie legt ein mutiges Zeugnis ab über ihren Umgang mit dem schwierigen Erbe aus der Zeit des Nationalsozialismus.  >> Buch: Droemer

 

Bücher gegen das Vergessen - Buecherkaffee.de

Margret Müller | Vatertexte

Und zum Ende noch ein etwas anderes Beispiel, wie man dieses Thema angehen kann:

Margret Müller umkreist in elf kleinen Texten die großen Fragen. Im Zentrum steht dabei zugleich die Erkenntnis, dass sie mit der Tatsache leben muss, dass ihr geliebter Vater ein Täter war. Im Gegensatz zu den meisten anderen Büchern erfahren wir über den Vater und seine Taten fast nichts. In diesem Werk es geht zentral um den Umgang der Tochter mit all den Fragen.

>> Buch: Joanmartin Literaturverlag

 

In der Bücherkaffee-Kolumne Bücher gegen das Vergessen widmet sich Jürgen Fottner seinem Herzensthema.

Es geht um Bücher, die sich mit Erinnerung, Verantwortung und den Spuren der Vergangenheit beschäftigen. Ein Thema, das angesichts politischer Entwicklungen und gesellschaftlicher Stimmungen aktueller denn je ist. Die Kolumne stellt Sachbücher und literarische Werke vor, die Zusammenhänge sichtbar machen, zum Weiterdenken anregen und Erinnerung wachhalten.

>> HIER findet ihr weitere Beiträge dieser wichtigen Reihe.

Wer sich dazu herbeilässt, die Erinnerung an die Opfer zu verdunkeln, der tötet sie ein zweites Mal.
— Elie Wiesel

 


© Kolumne: 2026, Jürgen Fottner
Transparenzhinweis: unbezahlte Werbung; Exemplar Vasco Kintzel | Mit der Gestapo am Kaffeetisch selbst gekauft bei der Buchhandlung Calibri.

0 comment

Lust zum stöbern und entdecken?

Schreibe uns Deine Meinung