Rezension | Honigmann | Elisabeth Karamat

by Alexandra Stiller

Elisabeth – Mitte vierzig- lebt schon seit einigen Jahren getrennt von Ihrem Mann, hat die Kinder erzogen, die mittlerweile auf eigenen Füssen stehen, und ist ihren trüben Alltag leid. Sie hat einen guten Job als Diplomatin an der Brüssler Botschaft, aber dieser erfüllt sie nicht mehr. Sie sehnt sich nach Abwechslung, nach einem Ausbruch aus dem mittlerweile tristen Alltag. Ihre Arbeitskollegin, die von der karibischen Insel St. Kitt’s stammt, lädt sie spontan ein, ihren Urlaub mit ihr auf der Insel zu verbringen, damit sie ihre leeren Batterien wieder aufladen kann. Elisabeth sagt zu, ohne zu ahnen, dass dies ihr Leben völlig verändern wird. Denn während ihres Urlaubs lässt sie sich auf die Kultur der Insel ein und interessiert sich für dortige Projekte, wie zum Beispiel das Landwirtschaftsprojekt für Jugendliche. Und dann ist da noch dieser Rasta Kwando, ein spiritueller Heiler, der ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Und Elisabeth trifft eine lebensverändernde Entscheidung – sie steigt aus und wandert nach St. Kitts aus!

Als ich von dem Buch “Honigmann” erfuhr, habe ich sofort aus dem Gefühl heraus gesagt, das muss ich lesen, das klingt wirklich interessant. Ich lese sehr gerne Bücher, die von den Erfahrungen von Auswanderern berichten, was sie erlebten, was sie zu diesem Schritt bewegte und wie sie sich in ihrem neu gewählten Leben, ihrer neuen Heimat zurechtfinden und einleben.Die Diplomatin Elisabeth schildert auf sehr authentische Art und Weise ihre Reise in ihn neues Leben. Mal sachlich, mal emotional und immer sehr offen. Ich konnte mich sofort mit ihr identifizieren, mich in sie hineinversetzen und baute quasi einen “guten Draht” zu ihr auf. Ich bewunderte sie für ihre Entschlossenheit, nachdem sich die Idee, der Gedanke an die Auswanderung manifestierte. Es muss doch ein immens großer Schritt sein, aus seinem gewohnten Umfeld auszubrechen und allein einen Neubeginn zu wagen. Zumal ihre Kinder zu Beginn auch nicht wirklich hinter ihrem Vorhaben standen und eher entsetzt als begeistert waren davon. Meiner Aneignung nach zeugt dies von einem starken Charakter, dass sie diese Idee umsetzte und das Projekt so durchgezogen hat. Auch ihre ganze Arbeit und Energie, die sie in das Landwirtschaftsprojekt steckt, ist sehr bewundernswert. Im ersten Moment denkt man ja fast neidisch “Wow, in die Karibik” – aber der Alltag ist halt auch hier kein Zuckerschlecken und mit den Erfahrungen eines Urlaubes auch einfach nicht vergleichbar. Aber Elisabeth packt an und arbeitet hart, aber befreiter als vorher in Brüssel.

In meiner Welt auf St. Kitts konnte ich Kwando lieben, im Meer schwimmen, am Feld arbeiten, in die Messe gehen, meditieren und lachen. Elisabeth, Seite 98

Die Liebe zwischen ihr und dem Rasta und “Honigmann” Kwando fasziniert ungemein, denn hier treffen zwei so unterschiedliche Kulturen aufeinander, die sich aber doch wunderbar ergänzen. Es ist ein Auf und Ab und in vielen Dingen müssen sie sich zusammenraufen, haben sie doch unterschiedliche Ansichten. Aber die Liebe ist so stark, dass es ihnen die Kraft zum Kämpfen gibt, auch wenn es manchmal ausweglos erscheint und beiden sehr an die Substanz geht. Ich habe mich von diesem hochemotionalen und bewegenden Buch mitreißen lassen und habe eine Lese-Reise in die Karibik angetreten, die mich sehr ergriffen und auch begeistert hat. Ich danke der Autorin sehr, dass sie ihre Erfahrungen mit ihren Lesern teilt und bin nun sehr gespannt, ob es eine Fortsetzung geben wird. Eine bewundernswerte Lebensgeschichte – voller Mut und Inspiration!

Meine Seele hat dich aufgenommen, ich werde dich mein ganzes Leben lang lieben Kwando, Seite 85

© Rezension: Alexandra Stiller

Über die Autorin:

Elisabeth Karamat wurde in New York geboren. Sie besuchte das französische Lycée in Dakar, Senegal und Washington idn studierte in Wien Kunstgeschichte. Aufd er diplomatischen Akademie in Wien spezialisierte sie sich auf Völkerrecht und internationale Verhandlungen. 2005 schloss sie ihre Promotion in rechtswissenschaften ab. Ihre Arbeit führte sie unter anderem als Botschaftsrätinn nach Brüssel, als Wahlbeobachterin nach Bosnien und als Projektkoordinatorin für das “St.Paul’s Community Project of the Anglican Church” nach St. Kitt’s, wo sie seit 2009 lebt.

Honigmann. Wie ich die wahre Liebe in der Karibik fand
Elisabeth Karamat
Erfahrungen, Tatsachenroman
Bastei Lübbe Verlag | ISBN13: 978-3-404-60713-6
2013
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2 comments

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Kora 13. Februar 2013 - 16:21

Fabelhaft in Worte verpackt!

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karin 14. Februar 2013 - 10:25

Ja, dazu gehört wirklich Mut!

LG..Karin..

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