Rezension | Bäume reisen nachts | Aude Le Corff

by Alexandra

Ein kleiner Einblick in den Klappentext: Seit Monaten verbringt die achtjährige Manon ihre Nachmittage allein, unter einer riesigen Birke im Garten. Sie verschlingt ein Buch nach dem anderen und spricht mit Ameisen und Katzen, nur um an eines nicht denken zu müssen: das spurlose Verschwinden ihrer Mutter. Mit dem eigenen Kummer beschäftigt, vermögen Manons Vater Pierre und ihre Tante Sophie das stille Mädchen nicht zu trösten. Doch Manons Einsamkeit erweicht das Herz des mürrischen Nachbarn Anatole, der, seitdem er nicht mehr unterrichtet, sich von Kindern möglichst fernhält. Sie beginnen, gemeinsam den Kleinen Prinzen zu lesen, und es erwächst eine außergewöhnliche Freundschaft. Als eines Tages überraschend Briefe der Mutter eintreffen, schmieden das Mädchen und der alte Mann einen kühnen Plan, der sie gemeinsam mit Pierre und Sophie auf eine abenteuerliche Reise quer durch Europa führt …

“Bäume Reisen nachts” ist der erste Roman der in Frankreich lebenden Autorin Aude Le Corff. In Frankreich erzielte dieses Debüt große Erfolge und verzaubert nun auch die deutschen Leser. Zu Recht! Denn dieses gerade mal 198 Seiten schmale Buch ist einfach eine schöne Buchperle.  Schon der Klappentext sprach mich sehr an und ich beschloss, einen Blick in die Leseprobe zu werfen. Ich war sofort begeistert und musste / wollte unbedingt weiterlesen. Die aufwändige Covergestaltung setzen dem Ganzen noch das i-Tüpfelchen auf. Erzählt wird die Geschichte um die achtjährige Manon und ihrem neuen und einzig wahren Freund und Nachbarn Anatole aus der Sicht des allwissenden Erzählers. Dies erlaubt einen breitgefächerten Einblick in die verschiedenen Charaktere. Manon durchlebt gerade eine – oder besser ihre persönlich schwerste Zeit ihres jungen Lebens, denn ihre Mutter ist weg, hat sie allein gelassen. Sie ist einfach gegangen, hat nur einen Abschiedsbrief und eine große Leere hinterlassen. Da ihr Vater nicht ansprechbar ist, sich in seiner eigenen Sorgenwelt verschanzt und sie niemanden hat, dem sie sich anvertrauen kann, ihren Schmerz offenbaren kann, redet sie im Garten mit den Ameisen und einer Katze. Die Birke im Garten ist ihr Zufluchtsort. Standhaft und beschützend… Immer da und beständig…

“Der Wind zerrt an der Birke, als wollte er sie aus dem Boden reißen. Von ihren Blättern rinnen schwere Tropfen, die Manon gerne auffangen würde, aber ihre Hände sind zu klein, um so viele Tränen zu halten” – Zitat Seite 84

Immer da ist auch der Nachbar Anatole. Der ehemalige Lehrer hadert mit seinem einsamen Leben, dem Altern und den damit verbundenen Schmerzen. So griesgrämig er ist, den Anblick der jungen Manon im Garten beschäftigt ihn und er ist von ihrer Ernsthaftigkeit beeindruckt. Er beschließt, ihr Gesellschaft zu leisten und ihr zu helfen. Obwohl Anatole zehnmal so alt ist wie Manon, verbindet die beiden etwas, sie finden zueinander und stützen sich gegenseitig. Die Welt der Bücher knüpft das zarte Freundschaftsband zwischen den beiden, vor allem “der kleine Prinz”

“Ihre Monologe mit den Katzen und Ameisen, ihr konzentrierter Gesichtsausdruck, wenn sie liest, ihr entrückter Blick, wenn sie in die Ferne starrt, all das berührt ihn.” – Zitat Seite 17

 Manon weckt seine Lebensgeister wieder und Anatole macht ihr Mut. Und gemeinsam gehen sie ein großes Abenteuer ein.  Ein Abenteuer, dass mit einem plötzlichen Lebenszeichen ihrer Mutter beginnt. Manon, Anatole, der Vater und Manons leicht exzentrische Tante Sophie brechen auf, um Anaïs zu suchen. Der Brief der Mutter kam aus Marokko und dem ungleichen Quartett steht eine lange Reise bevor. Eine Reise, die alle Beteiligten fordert. Eine Reise, die zum Nachdenken über das Leben und die Liebe, über Freundschaft , Mut, Achtung und Respekt animiert. Aude Le Corff schreibt sehr feinfühlig, sie geht das doch bedrückende Thema sachte und behutsam an, so dass man sich als Leser nicht erschlagen fühlt. Ich litt und fühlte mit den Protagonisten mit und war gefangen von diesem gelungenen Schreibstil. Das Einflechten des kleinen Prinzen ins Geschehen berührte mich sehr und ich habe das Lesen wirklich sehr genossen. Lediglich mit dem Ende konnte ich mich nicht so sehr anfreunden. Hier fehlt es etwas an Ernsthaftigkeit, es erscheint nicht passend und wird meiner Meinung nach der Geschichte nicht gerecht.

Kurz & gut – mein persönliches Fazit

Im Gesamten eine schöne und herzzerreißende Buchperle, die mich tief berührte und mir zum größten Teil wahre Lesefreude bescherte. Jedoch musste ich sehr über das Ende hinwegsehen, welches mich etwas enttäuscht zurück ließ.© Rezension: 2014, Alexandra Zylenas

Bäume reisen nachts
Aude Le Corff
Roman
Insel Verlag / Suhrkamp | ISBN 13: 978-3-458-36019-3
2014
Klappenbroschur / 201 Seiten
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6 comments

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Fantasie und Traeumerei 24. März 2014 - 12:33

Hallo,

auf das Buch freue ich mich ja auch schon so. Über das Ende haben sich jetzt schon mehrere Leser beschwert … Ich bin echt gespannt, was mich erwartet.

LG Nanni

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Melissa G 25. März 2014 - 6:29

Das Cover ist ja wirklich großartig. Allerdings bin ich bei französischen Autoren immer etwas zögerlich. Ich werde mir dieses Buch aber noch mal genauer ansehen.
Danke für die Rezension!

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Debbie 25. März 2014 - 17:26

Hab das Buch auch vor kurzem gelesen und fand es sagenhaft schön :)))

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Alexandra vom Bücherkaffee 4. April 2014 - 12:21

Liebe Nanni
…und ich bin gespannt, wie du es finden wirst 🙂 Würde mich freuen, deine Meinung danach zu hören (auch zum Ende des Buches :-))

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Alexandra vom Bücherkaffee 4. April 2014 - 12:28

Liebe Melissa, gerne doch.

Da hast du nicht ganz unrecht, auch ich bin da sehr gerne zögerlich. Aber ich habe da tatsächlich doch auch immer wieder Buchperlen endeckt – so wie dieses Buch. Es lohnt sich (und es ist ja auch recht schmal :-))

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Alexandra vom Bücherkaffee 4. April 2014 - 12:31

Hallo Debbi
ja gell, es ist wirklich sehr schön, vor allem die Bezüge aud den kleinen Prinz <3 Das hat mich richtig berührt.
(nur vom Ende muss man ein wenig absehen ;-))

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