Rezension: Zusammen sind wir Helden | Jeff Zentner

by Marcus

Ohne seine Gitarre wäre Dills Leben wirklich trostlos: Sein Vater ist im Gefängnis, seine Mutter unglücklich, und nach der Schule soll er im örtlichen Supermarkt arbeiten, um die Schulden abzubezahlen. Aber Dill sehnt sich nach einem anderen Leben, irgendwo da draußen. Seine Träume teilt er mit seinen beiden besten Freunden: Lydia, selbstbewusst und mit dem festen Plan, als Modebloggerin nach New York zu gehen, und Travis, der halb in seiner geliebten Fantasy-Serie lebt. Zusammen, glauben sie, können sie alles schaffen … [© Text und Cover: Carlsen Verlag]

Solche Freunde kann man brauchen!

Über Helden lese ich doch immer wieder gerne. Da ist es doch perfekt, dass dieser Begriff hier schon im Titel auftaucht. Mal sehen, ob ich mich auch mit den drei Helden dieses Buchs identifizieren kann.

Lydia, Dill und Travis sind siebzehn, haben das letzte Jahr der Highschool vor sich und sind richtig gute Freunde. Freunde, die sich nicht gegenseitig schmeicheln, sondern auch Unangenehmes auf den Tisch bringen (was besonders Lydia gerne macht). Jetzt kommt für sie die Zeit, zu entscheiden, was sie nach der Schule machen werden. Für Lydia ist klar, dass sie zum Studieren nach New York will. Für sie ist dieser Weg kein Problem, ihre Eltern verdienen genug, um ihr das zu ermöglichen. Travis liebt es, mit Holz zu arbeiten und will nach der Schule in der Sägerei arbeiten, in der er jetzt schon aushilft. Für Dill ist die Lage schwierig. Sein Vater sitzt im Gefängnis und hat ihm und seiner Mutter einen Berg Schulden hinterlassen. Von ihm wird erwartet, dass er arbeiten geht, um beim Abzahlen zu helfen. Ein Studium wird dadurch unmöglich. Er wagt es nicht, gegen seine streng gläubigen Eltern aufzubegehren, die ihm seinen Lebensweg vorgeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dill leidet nicht nur unter dem schlechten Ruf, den er und seine Familie nach der Verurteilung seines Vaters in dem Viertausend-Seelen-Städtchen angehängt bekommen haben. Der Gedanke daran, dass Lydia ihn nach diesem Schuljahr im Stich lassen wird, ist für ihn schwer zu ertragen. Die Freundschaft zu ihr und Travis ist eine wichtige Stütze für ihn, um die schwierigen Familienverhältnisse und die Armut zu ertragen. Für Travis ist es genauso, denn sein Vater trinkt, stellt ihn als ein Versager dar und prügelt auch mal auf ihn ein. Ohne seine Freunde würde Travis sich völlig allein fühlen.

„Wir müssen von jetzt an aufeinander aufpassen. Wir müssen füreinander Familie sein, weil unsere eigenen so verkorkst sind. Wir müssen uns ein besseres Leben schaffen.” (S. 232)

In der ersten Hälfte des Buchs bringt Jeff Zentner mich nah ran an die drei Freunde. Nicht nur die typischen Teenagerprobleme, vor allem Travis’ schwierige Familiensituation lassen mich mitleiden und mithoffen. Dill hat dazu auch noch angst davor, dass der „Schatten”, der schon seinen Vater und seinen Großvater befallen hat, ihn auch befällt. Ob ihm das erspart bleibt zeigt sich, als… nein, was dann passiert, verrate ich nicht. Nur so viel: es gelingt Jeff Zentner, mich emotional mitzunehmen, da hatte ich einen ordentlichen Kloß im Hals. Soweit hat er das ausgezeichnet eingefädelt. Allerdings übertreibt er es für meinen Geschmack im zweiten Teil des Buchs mit dem Druck auf die Tränendrüse. Trotzdem habe ich „Zusammen sind wir Helden” gerne gelesen. Ich fand es stark, wie die drei auch in schwierigen Situationen den Mut aufbringen, für sich selbst einzustehen und auch unbequeme Wege einschlagen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Persönliches Fazit

„Zusammen sind wir Helden” erzählt die Geschichte einer besonderen Freundschaft von drei Teenagern auf dem Weg zum Erwachsen werden. Ich bewundere den Mut, mit dem die drei Helden sich den Widerständen in Schule und Familie entgegenstellen. Auch wenn es der Autor mit den Emotionen etwas übertreibt, hat er mich doch mitgenommen.

© Rezension: 2018, Marcus Kufner

 

Zusammen sind wir Helden
Jeff Zentner (Übersetzt von Ingo Herzke)
Jugendbuch, ab 14 Jahren
Carlsen Verlag - ISBN: 9783551556851
2017
gebunden, 368 Seiten
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