Lucien DeLong | Ein Dieb – Bekenntnisse

by Marcus Kufner
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“Ein Dieb – Bekenntnisse” von Lucien DeLong

 

„Bevor du dich umbringst, schnappst du dir die Kohle und haust ab!” Wovon andere nur träumen, macht er wahr. Er überfällt einen Einzelhandelsladen nach Geschäftsschluss und setzt sich kurze Zeit später nach Jamaika ab. „Immer hatte ich gedacht, du landest einen großen Coup, und dann hast du genug Kohle, um den Rest deines Lebens angenehm zu verbringen. Um ehrlich zu sein, hatte ich sowieso nicht weitergedacht, als bis zu jenem ersten Coup. Danach würde ja alles gut sein!“ Doch im wahren Leben füllen Palmenwipfel und Sonnenaufgänge nicht den Tag. Und irgendwann ist das erbeutete Geld ausgegeben. „Mein erster Coup war ein verrückter Zufall und ein unglaublicher Glücksgriff gewesen – und nun?“ Er wird zum Dieb. Ein wechselhaftes Leben beginnt – zwischen den nobelsten Hotels und völlig abgebrannt zwischen Pennern auf dem Pariser Bahnhof. „Es dauerte lange, bis ich wagte, mich diesem neuen, so wechselhaften und unsicheren Fluss meines Lebens anzuvertrauen.“ [© Text und Cover: Phantom Verlag]

 

Welcher junge Mensch träumt nicht davon, anstatt täglich für bescheidenes Geld malochen zu gehen, in Saus und Braus zu leben? Ein Leben in Luxus und ohne Konventionen – etwas anderes kommt für den anonymen Erzähler nicht in Frage. Die meisten Menschen haben eine Hemmschwelle, die sie davon abhält, anderen zu schaden und kriminell zu werden. Die ist bei ihm nicht ganz so hoch, und je mehr er sich mit der Idee eines Raubüberfalls beschäftigt, umso realer wird das für ihn. Als er das dann durchzieht, ist sein Weg klar: raus aus der Kleinstadt, die Welt steht ihm jetzt offen. Ein Zurück in den spießigen Provinzmief wird es nicht geben.

Sollte das das Leben sein? Eine endlose Wiederholung ewig gleicher Monotonie? Was für eine Verschwendung! Was für eine Verschwendung des Lebens! (S. 8)

Der Erzähler lässt uns rückblickend an seinem Leben teilhaben, denn wie wir gleich zu Beginn erfahren, sitzt er nämlich bereits im Gefängnis. Wir wissen also, wie seine Geschichte endet. Ich will aber wissen, wie es dazu kam und was er bis dahin getrieben hat. Seine Entwicklung vom Kleinstadtbürger zum Jetsetter stellt Lucien DeLong auf eine realitätsnahe und damit nachvollziehbare Weise dar. Übertreibungen oder Unglaubwürdiges liefert er nicht. Spektakulär wird der Roman deshalb nicht, die Nähe zu einer möglichen Wahrheit hat aber seinen eigenen Reiz. Das spiegelt sich dann im Besonderen, wenn dem Erzähler das Geld ausgeht und er sich doch disziplinieren muss, um neues zu beschaffen. Oder auch, wenn das Paradies auf Jamaika oder Kuba aus der Gewohnheit zur Langeweile wird.

Es war langsam gekommen, ein wenig, ein wenig mehr … Aber wie konnte man des Paradieses überdrüssig werden? (S. 22)

 

“Ein Dieb – Bekenntnisse” von Lucien DeLong

 

Dass das Buch mit gerade einmal 144 Seiten relativ schmal ausfällt, liegt hauptsächlich daran, dass LeLong sich nicht lange an Details aufhält. Kurz und knackig sind die Kapitel und die Erzählweise seines Diebes. Ebenso schnörkellos aber ausdrucksstark ist seine Sprache, die die Ansichten des Erzählers passend transportiert. Etwas schade ist, dass es einige Rechtschreib- und Grammatikfehler ins Buch geschafft haben. Das stört mich dann doch irgendwann beim Lesen, wenn es sich so wie hier häuft. Die Lebensgeschichte des nicht unbedingt sympathischen aber sehr glaubhaften Meisterdiebs habe ich trotzdem gerne verfolgt. Der Roman ist nicht nur wegen des geringen Umfangs ein kurzweiliger.

© Rezension: 2020, Marcus Kufner

 

“Ein Dieb – Bekenntnisse” von Lucien DeLong

 

 

Ein Dieb - Bekenntnisse Book Cover Ein Dieb - Bekenntnisse
Lucien DeLong
Roman
Phantom | ISBN: 978-3-89561-077-6
1.05.2017
Gebunden
144
www.phantomverlag.de
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