Buchtipps-To-Go #3 | Der schnelle Weg, Buchperlen zu entdecken

by Alexandra

Immer wieder möchten wir euch, kurz und prägnant zusammengefasst, Bücher vorstellen bzw. empfehlen, die wir sehr gerne gelesen haben und die für uns zu Buchperlen wurden. Unter dem Motto #Buchtipps-to-go erfahrt ihr zu einer kleinen Auswahl an Büchern, eBooks oder Hörbüchern unseren Eindruck bzw. unser persönliches Fazit. Das können Neuheiten auf dem Buchmarkt sein, aber auch immer wieder ältere Bücher, die wir vor einiger Zeit gelesen haben. Wir möchten dies nutzen, um auch Büchern abseits der Bestsellerlisten wieder ins Gespräch zu bringen. Außerdem gibt doch noch so viel Schätze in den Backlists zu entdecken. Vielleicht werdet auch ihr fündig?!

~ „Herz bedeutet Drama“ ~ So beginnt diese Gesellschaftssatire über die unkonventionelle Cécilie, die einen äußert delikaten Brief in einem Taxi verliert. Die Dinge geraten recht schnell außer Kontrolle, als Paul, der nicht ganz unattraktive Finder des Briefes, sie in eine recht brenzlige Situation bringt. Er sucht Sie zuhause auf und erbittet sich eine Einladung zum Abendessen, sozusagen als Finderlohn. Cécilia erfindet ihrem Mann gegenüber kuriose Ausflüchte und das Chaos nimmt auf recht komische seinen Lauf.
Alles begann so vielversprechend und doch konnte ich Roman damals nicht fertig lesen. Die Luft war ganz plötzlich raus.

Vor ein paar Tagen dann fiel mir das Buch wieder in die Hände und ich habe es ganz spontan erneut gelesen – und plötzlich passte es einfach ganz wunderbar! Ich freue mich sehr, diese kleine Buchperle noch einmal neu für mich entdeckt zu haben. Sprachlich ein Genuss, amüsant, immer wieder eine bisschen ironisch und zugleich auch tiefgründig. Ein Stück feinste Unterhaltungsliteratur über die Konventionen der Liebe.

Louise De Vilmorin | Der Brief im Taxi | Verlag: Dörlemann 

„Sicher war ich nicht so bezaubernd wie Scheherazade, aber wir beide besaßen das, was für Frauen, die in der Falle sitzen, am kostbarsten ist: Sprachfertigkeit. Eine, die ausspricht, Ärger erregt, schwatzt, neckt, leckt, erzählt, schmeichelt, bettelt, übertreibt, beschönigt, zu weit geht und sich wieder zurück nimmt, erneut zu weit geht, nun ohne sich zurückzunehmen.“

Die junge Bilqiss wartet täglich auf ihr Urteil: Die Steinigung.
Warum? Die Liste der Verstöße, die ihr angelastet werden, ist lang. So besitzt sie zum Beispiel Makeup, einen Lyrikband, Zeitungen, Stöckelschuhe, eine parfümierte Kerze, eine Kassette mit Lidern, Parfum, eine Pinzette u.v.m. … alles vermeintlich Dinge, die einen Mann in Versuchung führen könnten. Aber ihr schlimmstes „Verbrechen“: sie ist, anstelle des sehr betrunkenen Muezzin, aufs Minarett gestiegen, um zum Morgengebet aufzurufen. Frevel in den Augen der meisten Dorfbewohner! Aber Bilqiss ist eine mutige und unbeugsame Frau, bietet dem Richter die Stirn, lässt sich nicht den Mund verbieten. Um Gnade zu flehen, das fällt ihr nicht ein. Sie gewinnt immer mehr die Sympathie des Richters, er fühlt sich von ihr hingezogen und die Urteilssprechung verzögert sich von Tag zu Tag …

Saphia Azzeddine, die u.a. auch „Mein Vater ist Putzfrau“ schrieb, überzeichnet gewollt und widmet sich mit feinzüngiger Ironie dem religiösen Fanatismus – und doch ist vieles auch bittere Realität. Das Land wird nicht genannt, es könnte ein jedes sein, in dem Frauen eine Burka tragen, wenig bis gar keine Rechte haben, die Religion regiert. Sie lässt ihre Protagonisten aufeinanderprallen, liefert einen gelungenen Schlagabtausch mit mal spöttischem, mal ernstem und doch auch immer wieder sehr humorvollem Ton. Provokativ und sehr lesenswert!

Ein ganz schmales Band mit gerade mal 96 Seiten – aber jede einzelne davon ein Genuss, gefüllt mit italienischem Flair, berauschenden und heißen Sonnentagen am Meer, an denen der Sand zwischen den Zehen und Salz auf den Lippen zurück bleibt. #ErnestvanderKwast schreibt mit einer Leichtigkeit über die erste Liebe, die Unabhängigkeit, den Schmerz. Er schweift ab, für ein bis zwei Seiten in andere Geschichten, findet wider zurück, springt in der Zeit hin und her und präsentiert so ganz „flatterhaft“ die Lebensgeschichte von Giovanna und Enzo, die sich im heißen Sommer 1945 verlieben – aber die Liebe erst über sechzig Jahre später auflebt.

Eine kurze aber wunderschöne Liebesgeschichte ist das, mit einem Hauch Melancholie und einem sehr schönen Ton. Geht direkt ins Herz!

Ernest van der Kwast | Fünf Viertelstunden bis zum Meer | Verlag: mare

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1 comment

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Evelin Brigitte Blauensteiner 21. August 2018 - 14:43

Danke für die Empfehlungen. Ja, manche “Buchperlen” entdeckt man erst auf den zweiten Blick – wie so manch andere “Perle” im Leben 🙂
Evelin Brigitte Blauensteiner

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