Buchtipps To-Go #7 | Yates, Tordo & Nothomb

by Alexandra

Unter dem Motto Buchtipps to-go erfahrt ihr, kurz und prägnant zusammengefasst,  unseren Eindruck bzw. unser persönliches Fazit zu einer kleinen Auswahl an Büchern, eBooks oder Hörbüchern. Das können Neuheiten – aber auch immer wieder ältere Bücher sein, die wir schon vor einiger Zeit gelesen haben. Wir möchten dies nutzen, um auch Büchern abseits der Bestsellerlisten wieder ins Gespräch zu bringen. Außerdem gibt doch noch so viel Schätze in den Backlists zu entdecken. Vielleicht werdet auch ihr fündig?!

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DIE ZUFÄLLIGE BIOGRAPHIE EINER LIEBE von João Tordo

„Mit Raul hatte ich ausprobiert, wie es war, wenn man Gift nahm, die Eroberung des Geistes durch einen Feind, der Überfall und die Besetzung unserer Seele durch eine andere. Nie zuvor hatte ich mich so gefühlt, wie aus mir selbst vertrieben.“

Die zufällige Biografie einer Liebe - João Tordo

Buchtipp: “Die zufällige Biografie einer Liebe” von João Tordo

DIE ZUFÄLLIGE BIOGRAPHIE EINER LIEBE  ist ein komplexes, sehr philosophisch anmutendes Werk über das, was Leidenschaft mit einem Menschen anstellen kann, wenn diese zur selbstzerstörerischen Obsession wird. Wenn man nicht loslassen kann, egal wie quälend und brutal diese ist – bis man letztlich gefährlich nahe am tiefen Abgrund der Selbstaufgabe steht. Über der Geschichte wabert eine tiefe Melancholie, die übergreifend erscheint, aber nie bedrückend wirkt.

„Miguel Saldanda Paris war wirklich melancholisch: ein Mann aus einer anderen Zeit, in der er gefangen war, ein Mann aus der Zeit, in der das Glück noch keine Pflicht war, sondern das Schicksal von ein paar Narren.“

Drei Handlungsstränge laufen ineinander, werden eins. Es geht nicht ausschließlich um Teresas und Miguels Vergangenheit und um das Manuskript, welches Teresa nach ihrem Tod zurückgelassen hat – sondern auch um Männerfreundschaft und um eine (mehr schlecht als recht funktionierende) Vater-Tochter-Beziehung.  #JoãoTordo gelingt es trotzdem, nichts zu überladen. Durchgehend ruhig ist der Ton, aber auf eine angenehme, tiefgehende Weise. Muss man mögen, gebe ich zu. Ich habe es sehr gerne gelesen, habe mich von dieser melodisch-melancholischem Ton davontragen lassen.

 

QUECKSILBER von Amélie Nothomb 

Quecksilber - Amélie Nothomb

Buchtipp: “Quecksilber” von Amélie Nothomb

1923: Ein Zusammentreffen dreier Personen auf einer kleinen Insel namens Mortes-Frontiéres, nahe dem Festland, ist geheimnisvoll wie seltsam. Der alternde siebenundsiebzigjährige Kapitän Loncours, die fast dreiundzwanzigjährige Hazel und die ledige Krankenschwester Françoise. Das Haus auf der Insel erscheint wie eine Festung. Nur ausgewähltes Personal darf hinein – und auch keiner kann von drinnen hinaus schauen, denn die Fenster sind sind klein und ungewöhnlich hoch angebracht. Lancours Schergen durchsuchen alles und jeden und wer das Schweigen bricht, dem droht harte Strafe. 

Die junge Krankenschwester Françoise wird gerufen und soll die erkrankte Hazel pflegen. Was sie dort sieht, schockt sie. Es gibt keine Spiegel und keine glatten Flächen – nichts, aber auch rein gar nichts, worin man sich spiegeln könnte! Selbst das Besteck und die Gläser sind stumpf geschliffen. Aber auch der Blick in das Gesicht der jungen Hazel verstört sie zutiefst. Sie beginnt zu hinterfragen und: sie schmiedet Pläne! 

Messerscharf ist dieser Thriller, aber unblutig. Die Spannung und die tödliche Kraft liegt in den grandiosen Rededuellen, die sich diese drei Protagonisten fortwährend liefern. Dialoge, die so viel tiefgründiger sind, als man im ersten Moment glaubt. Nothomb spielt mit Metaphern, die man nach und nach ergründet, je weiter man im Buch voranschreitet. 

Es geht um das Trugbild der Schönheit, um den männlichen (verzerrten) Blick auf Frauen, um Freundschaft. Und natürlich um Liebe – und wann diese zur Obsession wird. Ein schmales Band, dass doch so unglaublich viel beinhaltet – nicht zuletzt sogar zwei unterschiedliche Enden. Ich bin begeistert! 

 

EASTER PARADE von Richard Yates

Easter Parade - Richard Yates

Buchtipp: “Easter Parade” von Richard Yates

Erst kürzlich habe ich Richard Yates so richtig für mich entdeckt, als ich nach EINE GUTE SCHULE  auch EINE LETZTE LIEBSCHAFT  von ihm las. Daraufhin habt ihr mir dringend nahe gelegt, auch EASTER PARADE  und ZEITEN DES AUFRUHRS  zu lesen. Easter Parade habe ich gerade beendet und ich bin schon wieder sehr begeistert! Ich mag seinen Stil, seinen feinen Zwischentöne – wieder einmal lässt er mich in die verletzen Seelen seiner Protagonisten blicken. 

Diesmal sind es zwei Schwestern – Sarah und Emily Grimes – deren Geschichte in den USA der dreißiger Jahre spielt. Ich verfolge über fast vier Jahrzehnte die Entwicklung der beiden, deren Leben in so unterschiedliche Richtungen verläuft. Und doch verbindet sie einiges, auch wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht.  Sarah heiratet früh, bekommt Kinder, zieht aufs Land. Emily hingegen strebt beruflichen Erfolg an, ist rastlos und „hangelt“ sich von einer Liebschaft zur nächsten, lange Bindungen treiben sie in die Enge. 

Ihre Eltern lassen sich früh scheiden und sie fügen sich ihrer naiven, egoistischen und wenig fürsorglichen Mutter Pookie, die sie zu ständigen Umzügen nötigt – immer im Versuch, dem verhassten Mittelmaß zu entfliehen. Kein Heimatgefühl kommt auf und vor allem Sarah kämpft mit dem Vaterverlust. Pookie entwickelt einen Hang zum Alkohol, was Emily sehr peinlich ist. Wie sehr prägt die eigene Kindheit, wie sehr nehmen Vorfälle Einfluss auf die eigene Entwicklung? Handeln wir unbewusst, sträuben wir uns mit diversen Taten, damit wir ja nicht so werden wie die Eltern? Yates legt hier einen grandiosen Roman vor, indem er uns genau auf diese Fragen hin stößt. Er offenbart uns kleine und große Illusionen des Lebens. Ein sehr intensiver Roman über die große Angst des Scheiterns. 

 

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1 comment

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Zeilentänzer 14. September 2018 - 16:25

Oh, ich bin sehr dankbar für Buchtipps – und aus dem Diogenes-Verlag ganz besonders!

Zeilentänzerin

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