Film vs. Buch || Frühes Versprechen

by Marcus

Jetzt im Kino!

Ein Wunderkind sollte er werden und die Welt ihm zu Füßen liegen. ›Frühes Versprechen‹ enthüllt das fabelhaft bunte Leben von Romain Gary als Sohn einer ebenso despotischen wie liebevollen Mutter. In Wilna geboren, kommt er als 14jähriger nach Nizza und Paris, er wird Pilot, französischer Konsul und der einzige Autor, der zweimal den Prix Goncourt erhielt. Von diesem einzigartigen Fall, in dem mütterliches Wunschdenken von der Wirklichkeit noch übertroffen wurde, erzählt Romain Gary selbstironisch und mit unendlicher Liebe für die verrückteste, anstrengendste, ungewöhnlichste Mutter der Welt. [© Text und Buchcover: S.Fischer Verlage]

 

Glücklicherweise ist es noch nicht lange her, dass ich Romain Garys autobiographischen Roman, der 1960 erstmals erschienen ist, gelesen habe. Da passt der Start der Verfilmung für mich sehr gut, habe ich doch noch viele Details seiner Geschichte im Kopf. Also bin ich ab ins Kino und um zu sehen, ob meine imaginären Bilder sich mit denen auf der Leinwand vergleichen lassen.

Vorlagegemäß steht auch beim Film die Beziehung von Romain zu seiner Mutter im Mittelpunkt. Alleinerziehend in Polen der 1930er Jahre ist es nicht einfach, über die Runden zu kommen. Es erscheint ziemlich unrealistisch, dass ihr Sohn all das erreicht, was sie ihm prophezeit. Botschafter? Künstler? Offizier? Nicht nur eines davon soll er werden, sondern alles! Erstaunlich, dass Romain unter diesem enormen Druck nicht zerbricht. Aus Liebe zu ihr ist es aber sein dringendstes Ziel, ihre Wünsche uneingeschränkt zu erfüllen. Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass das meiste davon tatsächlich so kam. Diesen Kern des Buchs fängt auch der Film sehr gut ein.

 

Frühes Versprechen

Die zwei Stunden und elf Minuten habe ich als sehr kurzweilig empfunden. Das lag zum einen daran, dass die französische Produktion im Gegensatz zu vielen Hollywoodstreifen angenehm wenig effektbetont ist. Trotz der spürbaren emotionalen Tiefe der besonders engen Bindung zwischen der Mutter und ihrem Sohn wird hier nicht unnötig auf die Tränendrüse gedrückt. Das passt zu dem Stoff und macht den Film authentisch. Zum anderen tragen die Darsteller dazu ihren Teil bei. Charlotte Gainsbourg nehme ich die starke Persönlichkeit zu jeder Zeit ab. Das Überspielen von Schwäche und der kompromisslose Glaube an die eigenen Überzeugungen überträgt sie ausgezeichnet. Auch Pierre Niney als erwachsener Romain fügt sich gut ein und spielt ihn glaubhaft. Mit so einer klasse Besetzung muss sich der europäische Film wirklich nicht verstecken.

Das Drehbuch orientiert sich tatsächlich recht nahe an der Buchvorlage. Es sind mir nur wenige kleinere Abweichungen aufgefallen. Dass trotz 131 Minuten Laufzeit manches weggelassen werden muss, ist mir klar. Im Roman springt Romain beispielsweise öfter dem Tod von der Schippe als im Film. Die Unwahrscheinlichkeit seines Lebenslaufs wird dadurch im Buch noch deutlicher. Trotzdem wird der Film durch seine hohe Qualität und der überzeugenden Besetzung sowohl dem Werk wie auch dem Autor gerecht. Ich habe den Kinosaal jedenfalls sehr zufrieden und berührt verlassen.

© 2019, Marcus Kufner

 

© https://kinocheck.de/film/g6x/promise-at-dawn-2017

Details zum Film:

Laufzeit: 131 Min.
FSK: ab 6 Jahren
Regie:
Eric Barbier
Darsteller:
Charlotte Gainsbourg
Pierre Niney
Nemo Schiffman
Pawel Puchalski

 

Details zum Buch:

Frühes Versprechen | Romain Gary | S. Fischer Verlage
Aus dem Französischen von Giò Waeckerlin Induni
416 Seiten, ISBN: 9783596184538

 

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3 comments

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Katharina 10. Februar 2019 - 22:18

Das klingt wunderbar – Buch wie Film!

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Marcus vom Bücherkaffee 10. Februar 2019 - 23:00

Auf jeden Fall lesens- und sehenswert 😉
Ich werde sicher noch mehr von ihm lesen.

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Rezension: Die Jagd nach dem Blau | Romain Gary - Buecherkaffee.de 28. Februar 2019 - 20:26

[…] mich sowohl der Film wie auch das Buch von „Frühes Versprechen“ mitreißen konnte, war mir klar, dass ich mehr von Romain Gary (1914-1980) lesen werde. Die […]

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